Kroatien

Überblick

Kroatien - Gesundheitssystem

 

Allgemeines - Kroatische Krankenversicherung

Derzeit verfügt fast jedes EU-Land über ein anderes Gesundheitssystem, ob rein steuerfinanziert, über das duale System wie in Deutschland, oder rein privatfinanziert.
Es gibt eine große Vielfalt und Vielgestaltigkeit. Eine gemeinsame und gemeinschaftliche Annäherung ist wohl noch nicht in Reichweite.

Kroatien - noch auf dem Weg in die EU -, hat bereits in den 90er Jahren ein neues Gesundheitsgesetz verabschiedet. Alte Ideologien wurden beiseite geschoben und neue Wege beschritten. Die neue Rolle der Verantwortung für das Gesundheitssystem übernehmen jetzt mehrere Kräfte: Der Staat (subventioniertes System), freie Träger, die Provinzen und der freie Markt: Es gibt ein Art Mischfinanzierung des Gesundheitswesens.

Es gibt weiterhin drei Fachebenen: die primäre, die sekundäre, und die tertiäre Versorgung. Gesundheitspolitik und die Finanzierung des Gesundheitswesens sind jetzt die Angelegenheit des Gesundheitsministeriums. Bei der Ausübung sind weitere Organe unterstützend tätig

1. Der Gesundheitsrat bestehend aus neun Experten der verschiedenen Fachrichtungen, die in unterstützender Funktion tätig sind;
2. Das Finanzministerium übernimmt eine Art Kontrollfunktion in Bezug auf die Ausgabenpolitik des Gesundheitsministeriums;
3. Kontrolle und Finanzierung der Krankenhäuser, Polikliniken, Gesundheitszentren, Pflegeeinrichtungen und Public Health-Institutionen sind jetzt entsprechend der regionalen Organisationsstruktur Angelegenheit der Provinzen

Eine weitere Koordinierungsstelle, die Krankenversicherungsanstalt HZZO, ist mit Aufgaben der Zuweisung und Verwaltung von Mitteln und Finanzen beschäftigt, die im Gesundheitswesen erforderlich sind.

In dem 1993 verabschiedeten Gesundheitsgesetz sind drei wesentliche Prinzipien aufgeführt, die insbesondere Gleichheit und Gemeinschaftlichkeit in diesem System betonen sollen:
1. Alle Bürger genießen die gleichen Rechtsansprüche und Zugangsbedingungen bei der
Nutzung von Gesundheitseinrichtungen.
2. Der Solidaritätsgedanke soll gestärkt werden.
3. Die Krankenversicherungsanstalt (HZZO) mit ihren 21 angeschlossenen regionalen Dependenzen übernimmt eine zentralistische Ausrichtung.

Aufbau und Leistungen - Kroatische Krankenversicherung

In Kroatien gibt es ein Primärarztsystem, d.h. die primäre Versorgung stellt die Eingangsstufe des Gesundheitssystems dar. Es stehen in diesem Zusammenhang folgende Einrichtungen zur Verfügung: Zentren für die erste medizinische Hilfe, Haus der Gesundheit, stationärer und ambulanter Pflegedienst und die Apotheken.

Aus Sicht der allgemeinmedizinische Versorgung der Bevölkerung kann diese als gut bezeichnet werden. Was Fachausbildungen angeht sind Ärzte in der Primärversorgung meistens höher qualifiziert und haben z.B. einen Abschluss zum Facharzt für Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Gynäkologie, Notfallmedizin oder zum Kinderarzt.

Es wurde in der Vergangenheit versucht, Maßnahmen zur Umsetzung des Hausarztmodells stärker voranzutreiben und in das Gesundheitssystem zu integrieren.

In fast jeder Provinz gibt es Allgemeinkrankenhäuser, in denen über 50% aller Ärzte arbeiten. Größere Städte verfügen alle über Krankenhäuser, in manchen Gegenden existieren auch Polikliniken, sog. »Dom Zdravlja«; kleinere Ortschaften haben Ambulanzen und auch Apotheken. Zagreb als Hauptstadt des Landes verfügt über die größte Anzahl an medizinischer Versorgung. Die Anzahl an Kliniken, Polikliniken, Krankenhäusern und einigen Spezialabteilungen Spezialisten ergibt insgesamt etwa 30 Einrichtungen.

Die Finanzierung der Krankenhäuser erfolgt nach dem deutschen Modell. Neben der Krankenhaus-Tagespauschale für Unterkunft und Verpflegung werden alle
anderen Kostenfaktoren, wie Medikamente, Bettenanzahl, Personalschlüssel, Administration
berechnet. Die Arztleistungen werden mit einer festgelegten Punktezahl belegt.

Eine private Krankenversicherung hat nicht die gleiche Bedeutung wie in Deutschland.
Durch die PKV werden zusätzliche Kosten für mehr Komfort bei einem Klinikaufenthalt,
oder die Inanspruchnahme besonders teurer diagnostischer Maßnahmen abgedeckt.
Es gibt Bestrebungen, private Versicherungsleistungen attraktiver zu machen, entweder als ergänzende Zusatzversicherung zur Pflichtversicherung oder als substitutive Privatversicherung für Bürger, deren Einkommen eine festgesetzte Pflichtversicherungsgrenze überschreitet.

Medizinische Hinweise zu Leistungen in Kroatien für deutsche Staatsbürger

Ganz allgemein lässt sich festhalten, dass in der Krankenversorgung das Territorialprinzip gilt. Das bedeutet, sozialversicherungsrechtlichen Regelungen richten sich immer nach den Regularien des jeweiligen Landes, in das die Einreise stattfindet.

Durch das Bestehen eines Sozialversicherungsabkommens sind ärztliche Dienstleistungen in Kroatien mit einem entsprechenden Auslandskrankenschein einer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung abgesichert. Gemäß dem deutsch-kroatischen Sozialversicherungsabkommen muss es sich um den »D/HR-111-Auslandskrankenschein« handeln.

Beachte: Die gesetzlichen Kassen machen zwei grobe Unterscheidungen:

1. Die planbare Behandlung (z.B. künstliche Hüfte): Keine Kostenerstattung, in jedem Fall vorher bei Krankenkassen nachfragen und sich ergänzend von einem privaten Träger beraten lassen (nach Angaben der Barmer)

2. Die akute Behandlung (z.B. Blinddarm): Kostenerstattung möglich bis max. zu dem Betrag der Kosten, die z.B. eine OP in Deutschland kosten würde. Für solche gibt es auch die sogenannte »Koordinierungsstelle für Notfälle« Diese Stelle koordiniert die beiderseitigen staatliche Stellen der gesetzlichen KV und ist zudem auch in überwachender Funktion tätig. Die Stelle ist in die Strukturen des GKV-Spitzenverbandes integriert.

Auch wenn der vor Reiseantritt bei der Krankenkasse besorgte »D/HR-111-Auslandskrankenschein« theoretisch Anspruch auf kostenfreie Behandlung des versicherten zusichert, kann es ein, dass die Behandlung nur gegen Barzahlung verläuft. In der Praxis sieht es eher so aus, dass der Auslandskrankenschein nicht überall akzeptiert wird, sondern eine Barzahlung gewünscht wird.

Ein Großteil der Kosten übernimmt die Krankenkasse bei Vorlage quittierter Rechnungen. Erkundigen Sie sich vorher genau, welche Dokumente eventuell bei der hiesigen Kasse eingereicht werden müssen. Auch wenn das größte Kostenrisiko über diesen Schein abgedeckt ist, sollten sich Reisende über eventuelle Vorteile und entsprechend ergänzende Leistungen einer zusätzlichen privaten Auslandskrankenversicherung in jedem Fall informieren. Der Abschluss einer solchen ist immer empfehlenswert.

Auf den Internetseiten der deutschen Botschaft in Zagreb wird eine Liste deutschsprachiger Ärzte in Kroatien zum Herunterladen angeboten.

JöHu

Quellen:
Alpen-Adria Universität Klagenfurt
Auswärtiges Amt
Barmer
Botschaft der Republik Kroatien
britannica.com
Büro des Tourismusverbands der Gespanschaft Split-Dalmatien
croatia.hr
CIA World Factbook
Croatian Mine Action Centre
Deutsche Botschaft Zagreb
Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer
encarta msn
Europäische Kommission
exchange-rates
fernweh de
GKV Spitzenverband
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Meyers Lexikon
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