Türkei - SehenswürdigkeitenEine Reise in die Türkei ist auch immer eine zeitgeschichtliche Expedition, denn zahlreiche bedeutende Ereignisse und Errungenschaften sind eng mit dem ehemaligen Kleinasien verbunden.
97 Prozent des Territoriums der Türkei entsprechen Anatolien, der Rest gehört Istanbul. Die meisten der besonders sehenswerten und schönen Gegenden liegen daher nicht von ungefähr auf der anatolischen Halbinsel. Hier ist das bewahrte Kulturerbe nicht nur sichtbar, sondern für den Besucher auch spürbar.
Ein schier unerschöpflicher Fundus an beachtenswerten und zu bereisenden Orten erstreckt sich über das Land. Ob herrliche Strände, beeindruckende Landschaften, verwunschene Gegenden, spektakuläre und bedeutende Stätten der Menschheitsgeschichte, - es lassen sich allzeit Möglichkeiten für einen abwechslungsreichen und erkenntnisreiche Reisegenuss finden. Im Folgenden eine kleine Auswahl.
Kappadokien - zentralanatolische Naturschönheit
Von Ankara aus, keine 300 Kilometer südostwärts, liegt eine dieser naturräumlich magischen und faszinierenden Orte, die es im Anatolischen Land nicht selten zu entdecken gibt - Kappadokien.
Die ganze Region ist ein einziges Naturwunder und geologisch wie geschichtlich beeindruckend. Eine Landschaft voll faszinierender Formen und Farben ist hier entstanden, bedingt durch vulkanische Naturkräfte. Vor Millionen von Jahren ergoss sich ein Gemisch von Lava, Asche und Schlamm der umliegenden Vulkane Hasan und Erciyes, und hinterließ auf der Nevşehir-Hochebene ein bizarr anmutendes Bild aus kegelförmigen und pilzartigen Tuffgestein-Gebilden.
Schon früh haben die Menschen hier ihre Spuren hinterlassen, in dem sie diesen besonders weichen Stein bearbeiteten und Höhlen bauten, Denkmäler schufen und andere skurrile Werke modellierten.
Es wird davon ausgegangen, dass die ersten Höhlenwohnungen und richtige unterirdische Städte bereits vor der Zeitenwende angelegt wurden, und später, lange bevor die Türken in diese Gegend kamen, vor allem durch die Christen künstlerisch verfeinert und ausgebaut wurden.
In der Zeit um das 3. Jahrhundert n. Chr. siedelten viele Christen in dieser Region, um Schutz zu suchen und sich zu verstecken, da sie auf der Flucht vor den Römern waren. Hier erweiterten sie die Höhlen zu kleinen Städtefestungen, die unteririsch miteinander verbunden waren. Es entstanden dort Hunderte von Kapellen, Kirchen und spirituellen Behausungen mit schönen Fresken und architektonischen Feinheiten.
In ganz Kappadokien gibt es zahllose aus Tuffstein gearbeitete Stätten und Städte. Bekannte Orte sind neben dem Göreme-Nationalpark mit restaurierten Kirchen aus dem 10. und 12 Jahrhundert die Bergfestung von Uçhisar sowie die Orte Ürgüp Avanos, Derinkuyu, Kaymaklı und Ihlara.
Im Jahr 1985 wurden die Naturdenkmäler von Kappadokien zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Die Terrassen von Pamukkale-Hierpolis
In der Ägäischen Region, etwa 224 Kilometer östlich von Izmir und 221 Kilometer nördlich von Antalya, unweit der Stadt Denizli, liegen die Kalksinterterrassen von Pamukkale.
In rund 2.000 Metern über dem Meer haben an mehreren Punkte einer geologischen Bruchzone entspringend, kalkhaltige Thermalquellen über Jahrtausende eine schneeweiße Terrassenlandschaft geschaffen. Die Quellen, denen Heilwirkung zugeschrieben wird, werden seit der Antike verwendet. Die Quellen weisen Temperaturen von 36° Celsius auf.
Das Terrassenkunstwerk zählt zu den größten Naturwundern der Türkei und ist so einzigartig, dass es 1988 in die UNESCO-Liste des Weltnaturerbes aufgenommen wurde.
Historisch gesehen steht Pamukkale für das alte Hierapolis, eine antike griechische Stadt, die in der Zeit der Phrygier entstand. Die Ursprünge gehen auf Eumenes II von Pergamon zurück, der Hierapolis etwa 200 v. Chr. gründete. Später wurde die Gegend Teil der römischen Provinz Asia.
Seit 1984 wird das römische Bad des alten Hierapolis als archäologisches Museum genutzt. Hier finden sich u.a. auch Fundstücke von Ausgrabungen. Zwischen 1957 und 2003 haben hier umfangreiche Ausgrabungen einer italienischen Expertengruppe stattgefunden.
Vor zweitausend Jahren hatte die römische Badekultur durch Hierapolis und die Gegend eine ganz besondere Aufwertung erfahren. Das Thermalwasser wurde wegen seiner heilenden Wirkung verehrt. Natur und Kunst haben sich an diesem antiken Kurort auf besondere Art ergänzt. Dieser gilt heute noch als faszinierendes Relikt.
Von den Ruinen der Stadt, die durch ein Erdbeben im Jahr 1334 zerstört wurde, sind einige Bauwerke noch zu sehen, wie z.B. das Amphitheater, das um das Jahr 206 n. Chr. vollendet wurde und heute eine der am besten erhaltenen Spielstätten in Kleinasien ist, alte Straßen und byzantinische Stadtmauern, die Reste einer antiken Brunnenanlage, der Nymphäum sowie die Nekropolis und der Apollo-Tempel.
Trabzon und das Kloster von Sumela
Auf einer Gesamtlänge von mehr als 2.000 Kilometern – von der bulgarischen bis zur georgischen Grenze - bildet die Schwarzmeerküste einen facettenreichen Lebensraum voller Naturschönheiten und kulturhistorischer Faszination.
Fruchtbar bewaldete Hänge und Täler, üppige Vegetation und subtropisches Klima wechseln sich hier mit einsamen Stränden, idyllischen Bergpanoramen und feuchter Witterung ab.
Eine der besonderen Städte an dieser endlos langen Küste ist die 293.000 Einwohner große, historische Stadt Trabzon, mit einem wichtigen Handelshafen.
Bereits zur Zeit der Assyrer, weit vor der christlichen Zeitrechnung, war sie bedeutendes Handelszentrum. Gegründet wurde die Stadt etwa im 8. Jahrhundert von miletischen Siedlern, griechische Händler aus dem Ionischen Raum kommend, die den Handel mit dem Orient entwickelten.
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich hier verschiedene Kulturen und Völker niedergelassen, von Persern und Alexander dem Großen, bis zu den Römern, die der Stadt durch den Schiffbau zu Ansehen verhalfen. Über zerstörerische Goten kamen Christen, die wiedergebaute Klöster und Kirchen hinterließen, die später Moscheen wurden. Von den Osmanen wurde Trabzon von Sultan Mehmet im Jahre 1461 erobert.
Betritt man das Stadtviertel innerhalb der alten Mauern, hat das ein wenig von «zurück in das Mittelalter«. In den alten Strassen finden sich kleine Holzhäuser in Hülle und Fülle.
Besonders eindrucksvoll ist die Hagia Sofia, eine byzantinische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, deren Innenwände mit noch gut erhaltenen Fresken verziert sind. Von diesen gelten einige als die beeindruckendsten Beispiele byzantinischer Freskomalerei.
Heute ist die Kirche ein Museum. Auch andere byzantinische Kirchen sind über die Jahrhunderte zu islamischen Gotteshäusern »verschmolzen«, beispielhaft zu sehen an der Fatih- Moschee und der Yeni Cuma Moschee.
Ein ganz besonderes Highlight dieser Region befindet sich etwa 17 Kilometer südlich von Trabzon, in Richtung Maçka - das gigantische Sumela-Kloster. Das Kloster befindet sich am Rande des Altindere-Nationalparks, inmitten eines von bergigem Gelände umgebenen Tals. Hier ist ein Kloster entstanden, das, geheimnisvoll und mystisch anmutend, in 270 Metern Höhe, meisterhaft in den Fels gebaut wurde.
Mit dem Felsenkloster existiert heute einer der bedeutendsten heiligen Plätze orthodoxer Religion in Anatolien.
Es heißt, dass dieses Naturdenkmal im Jahre 385 von zwei aus Athen kommenden Mönchen gegründet wurde Es wurde mit vielen Fresken geschmückt und etwa im 14. Jahrhundert wurden Mönchzellen angebaut. So erhielt das Kloster sein heutiges Erscheinungsbild.
Das Kloster Sumela wurde im Jahre 1972 als Nationalerbe unter Schutz gestellt.
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