Medizintourismus - Kosten sparen mit Behandlungen im Ausland

 

Medizintourismus, AuslandsbehandlungenZum Zahnersatz nach Polen, zum Augenlasern in die Türkei und für die neue Hüfte nach Thailand – der Medizintourismus nimmt weltweit zu und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Was steckt hinter der Bezeichnung Medizintourismus?

Der Bedeutung des Medizintourismus lässt sich bereits aus dem mittlerweile etablierten Begriff ableiten: Die Inanspruchnahme von ärztlichen Behandlungen und Operationen im Ausland. Als wichtigster Grund für diese Form des Tourismus gilt die Kostenersparnis im Vergleich zu Leistungen im eigenen Land. Der Medizintourismus gibt zudem solchen Ländern Impulse, die – wie Belgien – Überkapazitäten im Gesundheitswesen haben. In manchen Fällen ist eine spezielle Behandlung im eigenen Land überhaupt nicht möglich, sondern nur in ausländischen Spezialkliniken.

Medizintourismus

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Die dabei am häufigsten durchgeführten Behandlungen reichen von ästhetisch-chirurgischen Eingriffen wie Brustvergrößerung und Fettabsaugen, Augenlaseroperationen und Zahnbehandlungen, über Bypass- und Herzoperationen, Organtransplantationen oder Operationen an Hüfte und Kniegelenk. Je nach Reiseziel bietet sich mitunter die Möglichkeit, die Behandlung mit einem Erholungsurlaub zu kombinieren oder sich zumindest in einer schönen Umgebung von der Operation zu erholen. Denn was gibt es Angenehmeres, als sich in Thailand von einer Bypassoperation oder in Südafrika von einem schönheitschirurgischen Eingriff zu erholen?

Ein Trend mit Potenzial?

Der Begriff „Medizintourismus“ hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch mittlerweile etabliert. Längst ist es nicht mehr außergewöhnlich, eine Operation oder Behandlung im Ausland durchführen zu lassen.

In 2007 ließen sich laut Statistischem Bundesamt knapp 59.000 Patienten aus dem Ausland in Deutschland stationär behandeln mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 7,4 Tagen1. Die tatsächliche Zahl ist kaum ermittelbar, liegt jedoch Experten zufolge nach vorsichtigen Schätzungen bei 70.000, nach realistischeren Analysen jedoch bei mehr als 100.000 ausländischen Patienten pro Jahr. Dieser Trend nimmt stetig zu.

Damit ist Deutschland für den Medizintourismus aus Sicht von Patienten aus aller Welt sehr attraktiv – dies gilt in erster Linie für Patienten aus dem arabischen und russischen Raum. Deutschland überzeugt dabei besonders aufgrund des hohen medizinischen Niveaus und seiner exzellent ausgebildeten Ärzte.

Doch auch die Deutschen reisen gerne für Ihre Gesundheit. Gemäß einer Studie der Techniker Krankenkasse lassen sich bereits mehr als 300.000 Deutsche pro Jahr im Ausland behandeln.

US-Amerikaner sind ebenfalls sehr aufgeschlossen gegenüber Behandlungen im Ausland. Alleine in 2007 haben sich rund 750.000 US Amerikaner im Ausland behandeln lassen2. Die meisten US-Patienten, die sich für eine Behandlung im Ausland entschließen, sind in der Regel nicht krankenversichert oder unterversichert. Im Jahr 2004 waren in den USA 45,8 Millionen Menschen nicht krankenversichert. Das entspricht 15,7 Prozent der Bevölkerung, wie die Zahlen des Census Bureaus (US-Statistikamt) belegen3.

Welche Gründe gibt es für den wachsenden Medizintourismus?

Im heutigen Zeitalter haben Patienten deutlich mehr Möglichkeiten, eigene Entscheidungen über ihre Gesundheit zu treffen. Dabei spielen die dafür anfallenden Kosten eine wesentliche Rolle. Die Einsetzung eines künstlichen Kniegelenks kostet in Indien weniger als ein Viertel des Preises in Großbritannien, bei Zahnbehandlungen mit Zahnersatz in Ungarn können Medizintouristen bis zu 70 Prozent sparen. Ähnlich groß sind die Unterschiede bei anderen Behandlungen und Operationen.

Eingriffe in Großbritannien sind 20 bis 25 Prozent teurer als in Deutschland. In Singapur müssen Patienten rund die Hälfte mehr bezahlen, und auch in den USA kosten die Behandlungen deutlich mehr.

Es ist nicht nur die Kostenersparnis, die Patienten überzeugt, denn die eigene Gesundheit steht für viele Menschen an erster Stelle. Deutlich geringere Wartezeiten und qualifizierte Fachexperten sind weitere wesentliche Entscheidungsgründe für eine Behandlung im Ausland.

Das Internet ist dabei mittlerweile Recherchemedium Nr. 1. Es bietet Informationen und Vergleichsmöglichkeiten für zahlreiche Angebote und internationale Leistungen und wird so zu einer der wichtigsten Informationsquellen. Nicht nur im Bereich der Information bietet das Internet neue Möglichkeiten: Auch das Buchen von günstigen Flügen war noch nie so unkompliziert.

Welche Länder sind beliebte Ziele für den Medizintourismus?

Medizintourismus in EuropaBislang reisen die meisten ausländischen Patienten nach Thailand. In über 400 Privatkliniken wurden dort im Jahr 2004 über eine Million ausländischer Besucher behandelt4.

Auf Platz zwei liegt Indien. Es hat sich inzwischen quasi zum Zentrum kardiologischer, zahnärztlicher und krebsbekämpfender Behandlungen entwickelt. Die Kliniken investieren in modernste medizinische Ausrüstung und sichern den Patienten höchste Qualität zu, indem sie auch die Qualifikationen ihres Personals fortwährend verbessern.

Polen wird als zukünftiger Marktführer im Medizintourismus in Zentraleuropa betrachtet. Der Fokus liegt im Bereich zahnärztlicher Behandlungen. 2006 kamen 450.000 ausländische Patienten auf der Suche nach medizinischen und gesundheitlichen Dienstleistungen nach Polen5.

Weitere beliebte Ziele für den Medizintourismus sind in Europa Tschechien, Kroatien, Ungarn und Bulgarien, weltweit haben Israel, Malaysia, Südafrika und Brasilien eine große Bedeutung.

Ist man bei Behandlungen im Ausland rechtlich abgesichert?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat sich mit Themen, die den Medizintourismus betreffen, in vielen Urteilen befasst. Für den Patienten positive Entscheidungen sind zum Beispiel, dass Kosten für eine zahnärztliche Behandlung oder der Kauf der verordneten Brille im Ausland ersatzpflichtig sind6.

In mehreren Urteilen hat der EuGH die Rechte von EU-Bürgern bei der grenzüberschreitenden Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen präzisiert. Demnach müssen Behandlungen, die gesetzlich versicherte Patienten im EU-Ausland ausführen lassen, von der Krankenkasse anhand eines Kostenvoranschlags im Vorfeld genehmigt werden.

Bevor Sie sich für eine Behandlung im Ausland entscheiden und diese in Anspruch nehmen, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt und Ihrer Versicherung, um mögliche Komplikationen zu umgehen und Unstimmigkeiten im Nachgang zu vermeiden.

Welche Risiken und Gefahren birgt der Medizintourismus?

Es können je nach Land erhebliche Sprachbarrieren auftreten, was Behandlung und Aufenthalt vor Ort deutlich erschweren kann. Jede Behandlung birgt Gefahren und kann einmal nicht erfolgreich sein. Ein Zahnimplantat verwächst nicht mit dem Kiefer, das Ergebnis einer ästhetisch-chirurgischen Behandlung sieht nicht so aus wie im Vorfeld vereinbart und die Sehkraft hat sich durch die Laser-Operation der Augen eher verschlechtert.

Unerwünschte Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine Infektion im Krankenhaus können außerordentliche Folgen nach sich ziehen. Vom behandelnden Arzt verordnete Medikamente oder zusätzliche Hilfsmittel, wie z. B. Stützstrümpfe, können ggf. im eigenen Land nicht verfügbar sein.

Welche Vorbereitungen sollte man vor einer Behandlung im Ausland treffen?

Eine Behandlung im Ausland sollte gut überlegt, geplant und vorbereitet sein, um möglichen Risiken vorzubeugen. Vor jedem medizinischen Eingriff im Ausland sollte man sich auch über die Nachbehandlung informieren.

Ebenso ist es wichtig, frühzeitig zu dem ausländischen Arzt Kontakt aufzunehmen, um die geplante Behandlung zu besprechen und zu klären, wer welche Kosten übernimmt, falls Komplikationen auftreten. Denn die niedrigen Behandlungskosten in manchen Ländern können unter anderem auf geringe Entschädigungsleistungen bei Behandlungsfehlern oder Komplikationen zurückzuführen sein.

Lassen Sie sich deshalb die Qualifikation und die Zulassung des Arztes zeigen, und prüfen Sie die Bilanz der Klinik in Bezug auf Hygiene und Infektionsraten. Auch in Deutschland infizieren sich 5 Prozent aller Patienten im Krankenhaus6. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eventuelle Risiken in einem persönlichen Gespräch. Auch die erforderliche Nachbehandlung und Vorbereitung kann von Ihrer persönlichen Situation abhängen und sollte im Vorfeld abgesichert sein.

Quellen

1Statistisches Bundesamt, Gesundheit: Diagnosedaten der Patienten und Patientinnen in Krankenhäusern 2007, S. 86f

2Deloitte: Medical Tourism - Consumers in Search of Value, 2008, S. 4

3US-Department of Health, Office of the Assistant Secretary for Planning and Evaluation: Overview of the Uninsured in the United States: An Analysis of the 2005 Current Population Survey, 2005, S. 1–11

4McKinsey Global Institute: Accounting for the cost of US health care: A new look at why Americans spend more, 2008

5Best Clinic: Gesundheits- und Medizintourismus, 2009

6Dr. Ingrid Braun-Anhalt, Dr. Karin Schwegmann, Dr. Heiko Thielen, Niedersächisches Landesgesundheitsamt (NLGA)

http://www.flymedic.de/node/389 http://www.flymedic.de/node/389 http://www.flymedic.de/node/389