Operation bei Harnblasenkrebs | Blasenkrebs | Blasenkarzinom

Überblick

Blasenkrebs - Ablauf

 

Die operative Behandlung eines Harnblasenkarzinoms richtet sich nach der Ausbreitung des Tumors. Bei nicht-invasiven Karzinomen kann der Tumor mittels der transurethralen (Elektro-)Resektion endoskopisch durch die Harnröhre entfernt werden. In Vollnarkose oder in einer Art Dämmerschlafnarkose wird durch die Harnröhre eine Elektroschlinge eingeführt, mittels derer der Tumor entfernt werden kann. 6,10

Wenn der Krebs bereits in tiefer liegende Gewebeschichten eingewachsen ist, muss die Harnblase in der Regel komplett entfernt werden. Dieser Eingriff erfordert eine Vollnarkose. Der Chirurg setzt die Schnitte für den Zugang zum Operationsgebiet meist im unteren Bauchbereich, etwa vom Schambein bis zum Bauchnabel. Anschließend werden die Harnleiter abgeklemmt und die Harnblase entnommen. Während des gleichen Eingriffs erfolgt, je nach Ausbreitung des Tumors, meist auch noch die Entnahme anderer Strukturen der Umgebung, so zum Beispiel beim Mann die Prostata und die Samenblasen sowie gegebenenfalls die Harnröhre. Bei der Frau ist häufig die Entfernung der Gebärmutter, der Eierstöcke, eines Teils der Scheidenwand und der Harnröhre notwendig. Schließlich werden auch noch im Becken lokalisiert Lymphknoten entnommen.

Nach der Entfernung der Harnblase müssen neue Urinableitungswege geschaffen werden. Am einfachsten ist hierbei die Einpflanzung der beiden Harnleiter in ein circa 15 cm langes Dünn- oder Dickdarmstück, das vorher ausgeschaltet wird. Das offene Ende des Darmstückes wird über die Bauchhaut nach außen abgeleitet (Stoma). Dies Form der Harnableitung nennt man Ileum-Conduit („Bricker-Blase“) oder, bei Verwendung von Dickdarmteilen, Colon-Conduit. Entscheidend für diese Form der Harnableitung ist die Beschaffenheit des Darms. Da bei dieser Art von Stoma immer etwas Harn aus der Bauchöffnung sickert (nasses Stoma), muss der Patient ständig einen auf dem Bauch klebenden Urinbeutel tragen.

Eine relativ neue Art der Harnableitung ist die Bildung einer echten Ersatzblase (Neoblase) aus Darmteilen. Dieser Sammelbeutel wird mit Harnleitern und -röhre neu verbunden, so dass der natürliche Weg des Harnabflusses genutzt werden kann. Da der Wandreflex bei Blasenfüllung und somit der Mechanismus des Harndrangs nicht mehr funktioniert, können bei dieser Form der Harnableitung jedoch Kontinenzprobleme entstehen.

Eine Variante der Neoblase stellte der sogenannte Pouch dar. Aus Darm wird hierbei ein Sammelbeutel mit ventilartiger Einstülpung geschaffen. Der Urin wird ebenfalls durch einen künstlichen Ausgang in der Bauchdecke nach außen geleitet, jedoch schließt die Hautöffnung dicht ab (trockenes Stoma), so dass in der Regel keine Kontinenzprobleme entstehen. Die Blase wird vom Patienten selbst mehrmals täglich über einen Katheter entleert. Eine noch sehr neue Methode ist die sogenannte Jenaer Harnblase. Dabei wird nur der obere Teil der Prostata entfernt und aus dem restlichen Teil eine Art Pokal geformt, die den Urin auffängt. Mit dieser noch jungfräulichen Methode haben vor allem männliche Patienten später weniger Probleme mit Inkontinenz und Impotenz. Welche Methode des Harnblasenersatzes für Sie in Frage kommt, hängt neben dem Krebsstadium auch von Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Für die Zeit der Wundheilung wird in der Regel ein Dauerkatheter gelegt. 6,10,11

Über Ihren individuellen Operationsablauf wird Ihr Arzt Sie auch im Detail informieren.

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