Leukämie | Akute myeloische Leukämie (AML) | Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Überblick

Leukämie - Einleitung

 

Leukämie, eine Krebserkrankung, die auch unter dem Begriff Blutkrebs bekannt ist, bezeichnet eine bösartige Erkrankung der weißen Blutzellen. Ausgehend vom Knochenmark kann sie sich auf alle Körperorgane ausbreiten.

Im menschlichen Blutkreislauf fließen zwischen vier und sechs Litern Blut, die den gesamten Körper mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgen. Daneben hat das Blut noch weitere Funktionen wie die Versorgung der Organe und Gewebe mit Nährstoffen, die Aufnahme und „Entsorgung“ von Kohlendioxid und Abfallprodukten der Körperzellen, die Verteilung von Hormonen und anderen Substanzen sowie die Wärmeregulation. Das Blut setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Blutplasma und den zellulären Bestandteilen des Blutes (Blutkörperchen). Das Plasma ist eine gelbliche Flüssigkeit, die etwa 55 % des Blutvolumens ausmacht. Es besteht zum größten Teil aus Wasser und daneben aus verschiedenen Eiweißen (Albumin, Globuline). Bei den zellulären Bestandteilen des Blutes, die die restlichen 45 % des Blutvolumens ausmachen, werden drei Arten von Blutkörperchen unterschieden: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Mit einem Anteil von 99 % der Blutzellen sind die Erythrozyten am zahlreichsten vertreten. Die wichtigste Aufgabe der Erythrozyten ist der Transport von Sauerstoff von der Lunge zu den Organen und Geweben. Der Sauerstoff wird für den Transport in den Erythrozyten an den roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin, gebunden. Die Gruppe der weißen Blutkörperchen, die die Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten umfasst, hat als wesentlicher Bestandteil des Immunsystems die Aufgabe, die Erkennung und Zerstörung von Eindringlingen wie Bakterien, Viren oder Pilzen. Dies geschieht entweder anhand von direkter Aufnahme der Eindringlinge oder über die Produktion von Antikörpern. Die Zahl der Leukozyten kann bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit stark ansteigen, so dass die Krankheitserreger effektiv und schnell bekämpft werden können. Wenn hingegen die Zahl der weißen Blutkörperchen verringert ist oder diese nicht mehr funktionieren, ist der Organismus anfällig für Infektionen, weil Krankheitserreger nicht mehr wirkungsvoll abgewehrt werden können. Die dritte Art von Blutkörperchen, die Thrombozyten, sind essenzieller Bestandteil der Blutgerinnung bzw. -stillung.

Alle Blutzellen entstehen im Knochenmark aus gemeinsamen Vorläuferzellen, den Stammzellen. Das Knochenmark ist ein stark durchblutetes, netzartiges Gewebe im Inneren der Knochen. Auch die Reifung der Blutzellen vollzieht sich, mit Ausnahme eines Teils der Lymphozyten (Reifung im lymphatischen System), im Knochenmark. Sobald die Blutzellen Funktionsfähigkeit erlangt haben, werden sie in die Blutbahn entlassen. Der Nachschub der zugrunde gehenden Zellen wird kontinuierlich vom Knochenmark geliefert. Da das richtige Verhältnis der Blutbestandteile zueinander für die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen des Blutes enorm wichtig ist, wird die Anzahl der Blutkörperchen beim Gesunden relativ konstant gehalten: es werden immer so viele neue Zellen gebildet wie abgebaut wurden. 1,2

Der Begriff Leukämie beinhaltet eine ganze Gruppe von Krebserkrankungen des blutbildenden Systems. Das generelle Kennzeichen einer Leukämie ist eine stark erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen (Leukämie bedeutet auch weißes Blut). Die Krebserkrankung entsteht, wenn die Bildung der weißen Blutkörperchen im Knochenmark oder Lymphsystem durch eine Fehlschaltung bestimmter Kontrollgene unterbrochen ist. Als Resultat bilden sich unausgereifte und funktionsunfähige Leukozyten, die sich rasch und unkontrolliert vermehren. Dadurch kommt es zu einer Verdrängung der normalen Blutbildung im Knochenmark mit der Folge einer unzureichenden Produktion von gesunden Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten. Eine Leukämie äußert sich mit Symptomen wie Blutarmut (Anämie), Infektionen und/oder erhöhter Blutungsneigung und stellt eine bösartige Systemerkrankung dar. 3

Es werden vier Hauptformen von Leukämie unterschieden, je nachdem aus welcher Art von weißen Blutkörperchen die Leukämiezellen entstehen – myeloische Leukämien aus Vorläuferzellen der Granulozyten und lymphatische Leukämien aus Vorläuferzellen der Lymphozyten – und ob die die Krankheit akut oder chronisch verläuft. Folglich sind die häufigsten Leukämieerkrankungen:

  • die akute myeloische Leukämie (AML)
  • die akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • die chronisch myeloische Leukämie (CML)
  • die chronisch lymphatische Leukämie (CLL).

Daneben gibt es auch Leukämievorstufen, die so genannten myelodysplastischen Syndrome (MDS), die in eine akute Leukämie übergehen können. Die Ausführungen dieses Artikels beziehen sich im Wesentlichen auf die akuten Formen der Leukämie (AML und ALL).

Leukämien machen in Deutschland etwa drei Prozent aller Tumorerkrankungen aus und zählen somit zu den selteneren Krebserkrankungen. Jährlich erkranken hierzulande etwa 9.000 Menschen an Leukämie, davon ungefähr die Hälfte an den akuten Formen AML und ALL. Die ALL tritt am häufigsten bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, während die AML besonders Erwachsene im mittleren Lebensalter trifft. 3,4

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