Leukämie - AblaufDie in diesem Artikel angeführten Schilderungen sollen lediglich der Orientierung dienen, der detaillierte Behandlungsplan wird mit Ihrem Arzt ausgearbeitet.
Bei Patienten mit akuten Leukämien sollte sofort nach Diagnosestellung mit der Therapie begonnen werden – die Chemotherapie sollte sofort und sehr intensiv erfolgen. In der Regel wird eine Kombination verschiedenartig wirkender Zytostatika eingesetzt. Die Chemotherapie besteht aus mehreren Therapiezyklen, die sich jeweils über einen Zeitraum von mehreren Wochen erstrecken. Bei beiden akuten Leukämieformen wird diese intensive Behandlungsphase in der Regel stationär durchgeführt. Darauf folgt bei der ALL in der Regel eine ambulante Erhaltungstherapie zur Festigung des Therapieerfolges. Diese erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 18 Monaten. Während der Erhaltungstherapie kann dem gewohnten Berufs- und Alltagsleben normalerweise gewohnt nachgegangen werden. Die Behandlung der ALL umfasst neben der normalen Chemotherapie manchmal auch das direkte Einspritzen der Zytostatika in das Nervenwasser rund um Gehirn und Rückenmark sowie die Bestrahlung des Schädels. Insgesamt beträgt die Gesamtdauer der Behandlung bei der AML etwa 1 Jahr, bei der ALL etwa 2½ Jahre. Der Patient gilt als geheilt, wenn er insgesamt fünf Jahre ohne Rückfall (Rezidiv) bleibt. 11,12
Bei einem Teil der Patienten kann trotz aller Therapiemaßnahmen keine dauerhafte Heilung erzielt werden. In solch einem Fall ist die Transplantation von Knochenmark- oder Blutzellen möglich. Eine Knochenmarkstransplantation kommt allgemein für Patienten mit AML, ALL und CML in Frage, bei denen durch eine vorangegangene Chemotherapie bereits eine Remission erreicht wurde. Da die Behandlung belastend und auch risikoreich ist, hängt die Durchführbarkeit auch vom Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.
Bei der Transplantation erfolgt ein Ersatz des kranken Knochenmarks durch gesundes. Die Therapie umfasst zwei Schritte: eine vorbereitende Chemotherapie und gegebenenfalls Bestrahlung und die anschließende Übertragung von gesundem Knochenmark bzw. Stammzellen der Blutbildung, die aus dem Blut gewonnen wurden. Bei der vorbereitenden Therapie (Konditionierung) wird durch eine hochdosierte Chemotherapie und eventuell einer Ganzkörperbestrahlung das Knochenmark vollständig und, im Idealfall, mitsamt aller Leukämiezellen, zerstört. Im nächsten Schritt erhält der Patient blutbildende Stammzellen, die von sicht selbst oder einem geeigneten Spender stammen. Die Stammzellen wandern in die Markhöhlen der Knochen, siedeln sich dort an und beginnen mit der Bildung funktionstüchtiger Blutzellen. Die Dauer bis zum Anwachsen des fremden Knochenmarks und der Erholung der Blutwerte, dauert in der Regel 3-6 Wochen. Die Transplantation war erfolgreich, wenn keine Leukämiezellen die Konditionierung überlebt haben und die Blutbildung wieder anläuft. Der Patient gilt dann als dauerhaft geheilt.
Wie bereits erwähnt, können die Stammzellen für die Transplantation von einem geeigneten Spender oder sich selbst stammen. Als allogene Knochenmarkstransplantation bezeichnet man die Übertragung von Knochenmark eines Spenders, vorzugsweise eines Geschwisterteils. Dabei besteht das Risiko, dass die Immunzellen des Tranplantats die Zellen des Empfängers als fremd erkennen und angreifen (Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung). Im günstigeren Fall richten sich die Abwehrzellen des Spenders gegen etwaig im Körper verbliebene Krebszellen und zerstören diese. Bei der sogenannten autologen Knochenmarktransplantation erfolgt eine Transplantation des eigenen Knochenmarks. Dies wurde vorab in der Remissionsphase entnommen. Das Risiko hierbei ist, dass durch die Rückgabe der Zellen auch wieder Leukämiezellen, die die Chemotherapie überlebt haben, in den Organismus gelangen. Es wird versucht dieses Risiko durch eine entsprechende „Reinigung“ des Knochenmarks zu reduzieren. Die periphere Blutstammzelltransplantation bzw. -reinfusion umfasst die Übertragung von Stammzellen, die aus dem Blutkreislauf eines Spenders oder des Patienten selbst gewonnen wurden. Die Sammlung der Stammzellen erfolgt mittels einer speziellen Zentrifugeneinrichtung aus dem Venenblut des Spenders (Leukoparese). Dieser Vorgang kann ohne Vollnarkose erfolgen und muss für eine erfolgreiche Transplantation 2-6 Mal durchgeführt werden. Der Vorteil besteht neben der Umgehung einer Vollnarkose für den Spender in einer verkürzten Erholungszeit und somit reduzierten Infektionsgefahr des Empfängers. 13,14
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