Alkoholsucht - FolgenDer Begriff Alkohol geht auf das arabische Wort „al-kuhl“ zurück und wurde im Sinne der Bedeutung „das Feinste, feines Pulver“ aus dem Spanischen übernommen. Ursprünglich waren damit die flüchtigen Bestandteile des Weines gemeint. Alkohol hat als Nahrungs-, Rausch- und Genussmittel bereits eine sehr alte Tradition. Beispielsweise wurde er bereits in altägyptischen Verzeichnissen erwähnt. Ein manifester Alkoholkonsum ist jedoch erst für das Mittelalter belegt, als Leibeigene und Tagelöhner teilweise in Form von Alkoholika entlohnt wurden. Mit zunehmender Verbreitung der Destillation alkoholischer Getränke wuchsen auch die Konsequenzen des Alkoholkonsums, was schließlich zu staatlichen Eingriffen wie zum Beispiel der Prohibition in den USA führte. Heute kann in Deutschland und anderen nicht-islamischen Ländern jeder ab einem bestimmten länderspezifischen Alter Alkohol in unbegrenzter Menge kaufen und konsumieren. Der Konsum von Alkohol kann, oftmals unbemerkt, zur Sucht führen, was mitunter weit reichende Folgen auf den Körper, die Psyche und das berufliche und private Umfeld hat.
Die akute Wirkung von Alkohol hängt von vielen Faktoren ab: der Alkoholkonzentration des Getränks, der aufgenommenen Menge, des Körperbaus, der körperlichen und seelischen Verfassung, der Trinkgewöhnung und Toleranzentwicklung des Einzelnen. Anhand der Alkoholkonzentration im Blut kann somit nicht klar zwischen einem leichten, mittleren und schweren Rauschzustand unterschieden werden. Alkohol hat in geringen Mengen eine anregende und stimmungssteigernde Wirkung. Er verursacht ein Absinken der Hemmschwelle und den Abbau von Ängsten, was die Kontakt- und Kommunikationsbereitschaft fördern kann. Mit zunehmender Dosierung kann die heitere Stimmung jedoch auch schnell in emotionale Unzugänglichkeit, Gereiztheit, Aggressivität und Gewaltbereitschaft umschlagen. Ein Großteil aggressiver Gewalttaten wird zum Beispiel unter Alkoholeinfluss begangen. Wird weiter Alkohol konsumiert, treten aufgrund der daraus resultierenden Vergiftung Wahrnehmungsstörungen und extreme Aufmerksamkeitsdefizite auf. Zusammen mit einer erheblichen Ermüdung und Benommenheit sind nach und nach die Sprache sowie die Urteils- und Koordinationsfähigkeit weiter eingeschränkt. Aufgrund dessen wird auch schon beim Konsum von geringen Mengen Alkohol von einer Teilnahme am Straßenverkehr abgeraten. Unter Alkoholeinfluss besteht eine erhöhte Unfallgefahr, die schwerwiegende oder gar tödliche Folgen für den Alkoholkonsumenten und Unbeteiligte haben kann. Bei ¬sehr hohen Blutalkoholwerten kann eine Alkoholvergiftung zum Koma oder gar zum Tod führen. Besonders gefährlich ist der Alkoholkonsum in Verbindung mit anderen Drogen oder Medikamenten, da so die Wirkung extrem verstärkt wird und teilweise auch gefährliche Nebenwirkungen oder Komplikationen auftreten.
Die Aufnahme von Alkohol ins Blut erfolgt über die Schleimhaut des Verdauungstraktes. Das Blut verteilt den Alkohol dann im gesamten Körper, wobei er bevorzugt in das zentrale Nervensystem und in die Muskulatur gelangt. Die höchste Alkoholkonzentration im Blut wird etwa 30-60 Minuten nach der Alkoholaufnahme erreicht. Die Ausscheidung erfolgt zu einem sehr kleinen Teil über die Atemluft, den Schweiß und den Urin, der größte Anteil wird jedoch in der Leber abgebaut. Die Zeit, die für den Alkoholabbau gebraucht wird, variiert je nach Körperbau und verschiedenen anderen individuellen Faktoren und beträgt beim Menschen etwa 0,1-0,2 Promille pro Stunde.
Im menschlichen Körper werden alle Vorgänge über Informationen gesteuert, die von einer Nervenfaser an eine andere Nervenfaser oder auch ein Organsystem weitergegeben werden. Diese lebenswichtige Informationsübertragung erfolgt im Nervensystem dadurch, dass an einer Nervenendigung (Präsynapse) aufgrund eines elektrischen Impulses chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) freigesetzt werden. Die Neurotransmitter diffundieren dann zu Rezeptoren, die sich an der Zellmembran der nachgeschalteten Nervenzelle (Postsynapse) befinden, wodurch die Erregung von einer Nervenzelle zur nächsten weitergegeben wird. Von einer Hemmung spricht man, wenn durch einen Impuls die Signalweiterleitung abgeschwächt wird. Alkohol beeinflusst die Informationsübertragung der Nervenzellen im Gehirn bei geringen Dosierungen zunächst durch eine stimulierende Wirkung, jedoch bei mittleren und höheren Dosierungen zunehmend durch eine Hemmung der Nervenübertragung. Wenn der Alkoholkonsum langfristig erhöht ist, kommt es zu einer Veränderung bestimmter Rezeptoren hinsichtlich ihrer Anzahl und Wirkungsweise. Wird dem Körper dann kein Alkohol mehr zugeführt, führt dies zu Fehlregulationen, auf den beispielsweise die auftretenden Entzugserscheinungen zurückzuführen sind.
Die Folgeschäden von regelmäßigem Alkoholkonsum sind enorm. Da der Alkohol über den Blutweg im gesamten Körper verteilt wird, treten in praktisch allen Geweben Zellschädigungen auf. Zu den besonders gefährdeten Organen zählen die Leber (Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose), die Bauchspeicheldrüse, das zentrale und periphere Nervensystem, das Herz (Erweiterung des Herzmuskels) und die Muskulatur. Auch besteht bei langfristigem ausgedehntem Alkoholkonsum ein erhöhtes Risiko für Mund-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs sowie bei Frauen für Brustkrebs. Wenn während der Schwangerschaft Alkohol getrunken wird, kann dies zu schwersten Schädigungen des ungeborenen Kindes führen. Als psychische Folgen können ein sogenanntes delirium tremens (Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, der Emotionalität, Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Depressionen bis hin zu einer Suizidgefährdung) zutage treten. Auf sozialer Ebene führt eine Alkoholsucht häufig zu einer nachhaltigen Veränderung des gesamten sozialen Umfelds, wenn zum Beispiel Ehen oder Beziehungen zerbrechen und/oder der Arbeitsplatz verloren geht.4
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